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Geschichte

Eingang Trift  

Bildrechte: JVA Celle (Jando)

Das Zuchthaus-Werk- und Tollhaus Celle

Nach dem Tode des letzten Celler Herzogs Georg Wilhelm im Jahre 1705 wurde das Fürstentum Lüneburg mit dem Fürstentum Calenberg im Kurstaat Hannover vereinigt. Als Ausgleich dafür, dass Celle nun keine Residenzstadt mehr war, verfügte die Regierung des Kurfürstentums Hannover die Errichtung des Oberappellationsgerichts (zu damaliger Zeit höchstes Rechtssprechungsorgan) und heutigen Oberlandesgerichts, des Zucht- und Irrenhauses und des Landgestüts. Man erzählt allerdings, dass Celle die Wahl zwischen einer Universität und einem Zuchthaus gehabt habe und die Bürger zum Schutze ihrer Töchter vor den Studenten sich für die letztere Institution entschieden hätten.

Johann Casper Borchmann - seit 1696 Oberbaumeister des Herzogs Georg Wilhelm - erbaute die Anstalt von 1710-1724 nach dem Vorbild französischer Schlösser und zwar als "allgemeines Zucht-, Werk- und Tollhaus". Auf die doppelte Zweckbestimmung des Hauses deutet noch heute die über dem Toreingang befindliche, einen Verbrecher und Verrückten zugleich darstellende Maske hin mit der Inschrift:

Torbogen  

Bildrechte: JVA Celle (Jando)

"Puniendis facinorosis custodiendia furiosis et mente captis publico sumptu dicata domus"

(Zur Bestrafung der Übeltäter, zur Bewachung der Tobsüchtigen und Geisteskranken aus öffentlichen Mitteln errichtetes Haus).

Hinter dem Torgebäude, das bis 1905 als Wachlokal von einer aus Soldaten des Celler Infanterieregiments 77 bestehenden Militärwache benutzt wurde, mit kupfergedecktem Uhr- und Glockenturm, befindet sich der große Südhof mit Grünanlagen und dem Hauptgebäude, der Anstaltskirche, die bis 1845 auch der Gemeinde des Stadtbezirkes Neustadt als Kirche diente.

Historischer Südhof

Bildrechte: JVA Celle (Jando)

Über dem Eingang zu diesem Gebäude befindet sich das Wappen des Kurfürstentums Hannover, umgeben vom Spruchband des Hosenbandordens

"Honi soit qui mal y pense"(Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt)

und der Wahlspruch der englischen Krone

"Dieu et mon droit" (Gott und mein Recht)

- in Erinnerung an den bei Baubeginn herrschenden Kurfürst Georg Ludwig, der 1710 Ritter des Hosenbandordens und 1714 als Georg I. König von Hannover und England wurde (1714-1837 Personalunion zwischen Hannover und England).

Wappen  

Bildrechte: JVA Celle (Jando)

Zum Bau der Anstalt führten verschiedene Gründe. Einmal musste das herrschende Strafsystem der gewaltigen Zunahme des Bettler- und Landstreicherunwesens und des daraus sich entwickelnden Verbrechertums angepasst werden, zum anderen war es notwendig geworden, die vorhandenen Karrenanstalten (Arbeitsstrafanstalten) in Lüneburg, Hameln und Nienburg zu entlasten. So entstand in den Jahren 1710 - 1724 auf Kosten der damaligen Hannoverschen Landschaften Lüneburg, Calenberg, Grubenhagen, Hoya und Diepholz unter Überwindung von mancherlei Schwierigkeiten in der damaligen Westerceller Vorstadt, etwa einen Kilometer von der eigentlichen Stadt Celle entfernt, als allgemeine Landesanstalt das Zucht- und Irrenhaus, die älteste Anstalt in Preußen. Im Jahre 1833 wurden die Irren in die neu errichtete Landesirrenanstalt Hildesheim verlegt, so dass ab jetzt das Haus nur noch Zuchthaus war. Da in jener Zeit die Strafen nach Körperkonstitution des Straffälligen festgesetzt wurden, d.h. wer gesund und kräftig war, kam zur Verbüßung der Strafe in Festungsbauarbeit oder Karrenstrafe, und nur schwächliche Männer kamen ins Zuchthaus, so war die Anstalt hauptsächlich Anfangs nur von Frauen belegt. Nachdem 1846 die weiblichen Insassen in die Strafanstalt Emden überführt worden waren, blieb Celle ein ausgesprochenes Männerzuchthaus. Seit der Abschaffung der Zuchthausstrafe im Jahre 1969 ist die Anstalt - seit 1972 unter der Bezeichnung Justizvollzugsanstalt Celle - zuständig für die Vollstreckung von langjährigen Freiheitsstrafen bei männlichen Erwachsenen.

Umwehrungsmauer an der Aller  

Bildrechte: JVA Celle (Jando)
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